Violinkonzerte 1-3
von Fabio & Europa Galante Biondi


 
Rezensionen:
Auf die Nacht beym soupée spiellte ich das strasburger Concert; -es gieng wie öhl" schrieb Wolfgang Amadeus Mozart in einem Brief an seinen Vater im Oktober 1777, und meinte sein drittes oder viertes Violinenkonzert, das er im Rahmen einer Paris Reise als Solist in Augsburg präsentierte. Zum 250. Geburtstag Mozarts hat Fabio Biondi dieViolinenkonzerte 1-3mit seinem Ensemble Europa Galante neu eingespielt und sogar eigene Kadenzen beigesteuert.

Die Violinenkonzerte Mozarts entstanden in den 1770er Jahren. Als Konzertmeister des fürsterzbischöflichen Orchesters am Salzburger Hof erfreute sich Mozart einer gewissen materiellen Sicherheit, die in seinem späteren Leben nicht immer selbstverständlich sein sollte. Außerdem boten ihm die regelmäßig stattfindenden gesellschaftlichen Anlässe Gelegenheit zum Vortrag seiner musikalischen Ideen. Vielleicht ist dies ein Grund für die unbeschwerte Leichtigkeit Mozartscher Violinenkonzerte. Der Verzicht auf jeglichen Zierrat bescherte ihnen aber auch den Ruf, wenig virtuos, leicht spielbar und daher ideales Unterrichtsmaterial zu sein. Heutzutage laufen die Violinenkonzerte Mozarts aufgrund ihrer Eingängigkeit eher Gefahr in veritablen Restaurants als Hintergrundberieselung zu dienen. Aber Fabio Biondi und sein Ensemble Europa Galante haben sich schon des Öfteren als Spezialisten erwiesen, wenn es um die Ehrenrettung von Musik ging, die inflationär von Radiosendern als Klassik zum Frühstück verhunzt wurde. Antonio Vivaldis "Vier Jahreszeiten", erklangen Dank ihrer Aufnahme auf dem französischen Label OPUS 111 von 1991 so atemberaubend, als hörte man sie zum allerersten Mal. Nun haben Europa Galante unter der Leitung von Dirigent und Solist Fabio Biondi MozartsViolinenkonzerte 1-3in einer neuen Einspielung vorgelegt, die im Teatro Communale Paolo Ferrari in San Marcello aufgenommen wurde. Erstaunlicherweise orientiert sich diese kaum am gängigen Klangbild transparent-silbriger Aufnahmen alter Musik auf Originalinstrumenten, wie beispielsweise jene -ebenfalls ausgezeichnete- der Academy of Ancient Music unter Leitung Christopher Hogwoods. Vielmehr erinnert hier der warme, modulationsreiche Violinenton Biondis inmitten dunklen Orchesterklangs stellenweise an die Charakteristik eines Violinenkonzerts von Max Bruch. Fein ziselierte Details von Fortepiano und Flöten, beispielsweise im Presto des Violinenkonzerts No.1, K 207, treten zwar bei Biondi im Vergleich zu Hogwood eher in den Hintergrund, -allerdings zugunsten einer beeindruckenden Ausdrucksvielfalt des Soloinstruments, der Violine, die auf dieser Aufnahme die unangefochtene glänzende Führung übernimmt.Andreas Schultz

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